Grundstufe

Die Grundstufe der Herderschule umfasst die Vorklasse und die Klassen 1 bis 4. Es gibt zwei Vorklassen, auch die folgenden Jahrgänge laufen zweizügig.

Die Klassenstärke beträgt in den Vorklassen maximal 8 Schüler, in den höheren Klassen bis 12.
Der Unterricht wird bestimmt durch den Bildungs- und Erziehungsplan 0 bis 10 und die Rahmenpläne der Regelschule.

Die Grundstufe bietet verlässliche Unterrichtszeiten: In den Vorklassen sowie im 1. und 2. Schuljahr werden die Kinder montags, mittwochs und donnerstags von 8.00 Uhr bis 12.20 Uhr und dienstags und freitags von 8.00 Uhr bis 11.20 Uhr unterrichtet. Die Klassen 3 und 4 haben täglich außer dienstags von 8.00 Uhr bis 12.20 Uhr Unterricht. Am Dienstag endet für diese Schülerinnen und Schüler der Unterricht um 13.05 Uhr. Die Wochenstundenzahl von 23 Stunden im ersten und zweiten Schuljahr, die mehr als das Soll der Stundentafel bedeutet, ist der allgemeinen Förderung der Schulanfänger von großem Nutzen.

Unterrichtsgestaltung
Die Schülerinnen und Schüler werden in kleinen Lerngruppen in einer intensiven Lehrer-Schüler-Beziehung unterrichtet.

Der gesamte Vormittag ist stark strukturiert durch Rituale. Dies gibt den Kindern entscheidende Orientierungshilfen.

Der Unterricht wird mit wenigen Ausnahmen durch Jahrgangs- und Klassenteams erteilt. Auch die zusätzlichen Fördermaßnahmen (s. Förderkonzept) erfolgen in der Regel durch die Teamkollegen Diese Unterrichtsverteilung bietet Vorteile für die Kinder und für die Kollegen. Die Kinder müssen sich nicht ständig auf andere Bezugspersonen einstellen, stehen durch fließende Übergänge der Unterrichtsstunden weniger unter Zeitdruck und erleben eine Atmosphäre der Ruhe und Geborgenheit, die sich günstig auf das Lernen auswirkt. Die Kollegen können Fördermaßnahmen durch regelmäßigen Austausch besser planen und unterrichtsübergreifend umsetzen. In den Jahrgangsstufen 3 und 4 lässt sich die Unterrichtsverteilung im Jahrgangs- bzw. Klassenteam auf Grund fachspezifischer Anforderung (Schwimmen, Religion) nicht ausschließlich organisieren.

Um den Anforderungen einer lernzielgleichen Förderschule einerseits und der besonderen Lernausgangslage der sprach- und hörgeschädigten Kinder andererseits gerecht zu werden, ist es notwendig, die Lerninhalte exemplarisch auszuwählen und sie bestmöglich pädagogisch umsetzen: Das Wesentliche - an den individuellen Bedürfnissen der Kinder orientiert - aufzubereiten und für ihre jeweilige Lernausgangslage erfahrbar und erlernbar zu machen, ist ein Grundprinzip unterrichtlichen Handelns. Im Sinne einer sensorischen Integration ist ein "Lernen mit allen Sinnen" vorallem bei der Unterrichtsgestaltung des Anfangsunterrichts unverzichtbar. Ein wesentliches Ziel des Unterrichts ist in allen Jahrgangsstufen die Entwicklung einer Lern- bzw. Methodenkompetenz.

 

Der individuelle Entwicklungsprozess der Kinder verlangt einen förderdiagnostischen Ansatz während des gesamten Unterrichts. Der Blick orientiert sich dabei nicht an den Defiziten, sondern an den Kompetenzen der Kinder. Unterricht bedeutet, die weiteren Entwicklungsschritte gemeinsam mit dem Kind zu gestalten.

Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung brauchen insbesondere während der Phase des Schrifterwerbs eine sprachheilpädagogische Vorgehensweise. Dies bedeutet

- den verbindlichen, unterstützenden Einsatz von Handzeichen (vrgl. Lesenlernen mit Hand und Fuß)

- die intensive Arbeit am einzelnen Laut mit seinen unterschiedlichen Lautqualitäten je nach Lautumgebung

- vielfältige und intensive Übungen zur Phonemdifferenzierung

- den Einsatz einer Anlauttabelle

Rhythmische Übungen und musikalische Erziehung sind wesentliche Bestandteile des täglichen Unterrichts.

Auf Grund der motorischen Auffälligkeiten und Wahrnehmungsprobleme der Schüler muss das Prinzip der Bewegungsförderung in allen Unterrichtsbereichen berücksichtigt werden. Psychomotorische Übungen nehmen dabei in den ersten beiden Schuljahren einen breiten Raum ein.

Projekte, in denen sich die Schule nach außen öffnet, schaffen durch den Wechsel des Lernortes neue Lernsituationen und haben eine positive Auswirkung auf die Lernmotivation. Sie begünstigen ein erlebnisorientiertes, ganzheitliches Lernen.

Das Reitprojekt (s. Konzepte) in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt gehört seit Jahren zu den umfassenden außerschulischen Fördermaßnahmen der Jahrgangsstufe 3 mit den Schwerpunkten der motorischen, sozialen und emotionalen Entwicklungsförderung.

Die Grundstufe nutzt regelmäßig Projekte aus dem Angebot der Stadt Darmstadt "Schule kreativ" (Trommeln, Theater und Bildende Kunst).

 

Die Durchlässigkeit der Grundstufe zur Regelschule
Sie ist ein wesentliches Prinzip bei der Unterrichtsgestaltung. Neue Schüler werden in allen Jahrgangsstufen aufgenommen. Ebenso können Schüler, für die kein Anspruch mehr auf sonderpädagogischer Förderung mit dem Schwerpunkt  Sprachheilschule besteht, in die Regelschule zurückgeschult werden. Günstige Zeitpunkte für eine Rückschulung sind am Ende des zweiten Schuljahres nach Abschluss des Lese-Schreiblehrganges und am Ende des vierten Schuljahres beim Übergang in weiterführende Schulen.

In Zweifelsfällen wird durch eine zu vereinbarende Probezeit mit regelmäßigem Austausch mit der Herderschule die Möglichkeit gegeben, Erfahrungen in der neuen Lernsituation zu sammeln und die Fähigkeit zur erfolgreichen Mitarbeit zu überprüfen.

 

Das fünfte Grundschuljahr    

Für hörgeschädigte Kinder besteht die Möglichkeit einer fünfjährigen Grundschulzeit. Diesen Kindern wird auf Grund ihrer Beeinträchtigung mehr Zeit zum Lernen zugestanden. Die Wiederholung einer Klasse bedeutet für sie nicht das negativ bewertete "nicht versetzt", sondern gilt als Fördermaßnahme, auf die hörgeschädigte Kinder ein Recht haben. Unbefriedigend daran ist, dass der Lernstoff der Grundstufe nicht von vornherein auf fünf Schuljahre verteilt werden kann, weil hörgeschädigte und sprachbeeinträchtigte Schülerinnen und Schüler zusammen in Jahrgangslerngruppen unterrichtet werden. Dies wäre eine aus unserer Sicht anzuregende Neuregelung sowohl für hörbeeinträchtigte als auch für sprachbehinderte Kinder, die ebenfalls Zeit brauchen, um Entwicklungsrückstände aufzuholen.

Auch Sprachbehinderungen treten nicht isoliert auf. Sie stehen in einem Zusammenhang mit anderen Auffälligkeiten wie Wahrnehmungsstörungen, allgemeinen Entwicklungsverzögerungen, Störungen der Aufmerksamkeit, um nur einige zu nennen. Diese Schwierigkeiten machen einerseits eine zeitaufwändige, zusätzliche Förderung nötig. Andererseits ist eine Durchgangsschule jederzeit verpflichtet, den jeweiligen Rahmenplan der Regelschule zu erfüllen, um Übergänge zu ermöglichen. Wir sind zwar bemüht, diesen Anforderungen gerecht zu werden, können diesen "Spagat" aber häufig nicht leisten.

Ein fünftes Grundschuljahr würde Schüler und Lehrer von dem Zeitdruck entlasten und mehr Spielraum für eine Orientierung an der Lernausgangslage und eine darauf abgestimmte Förderung geben. Übergänge in die Regelschule wären auch dann möglich, müssten sich jedoch stärker an dem individuellen Lernstand als an der besuchten Klassenstufe orientieren.