Vorklassen als Chance

An der Herderschule gibt es zwei Vorklassen.

 In jeder Vorklasse werden 8 Kinder unterrichtet. Alle aufgenommenen Kinder sind sprachauffällig und/oder hörbeeinträchtigt und meistens in verschiedenen anderen Bereichen noch nicht altersgemäß entwickelt. Sie weisen Entwicklungsrückstände auf in

In jeder Vorklasse arbeitet eine Sozialpädagogin als feste Bezugsperson für die Kinder. Zwei Sprachheilpädagoginnen/-pädagogen unterstützen die sprachheilpädagogische Arbeit in Form von gemeinsamem Unterricht, Kleingruppen- oder Einzelförderung. Diese Förderung übernehmen Kolleginnen und Kollegen, die im darauffolgenden Schuljahr als Klassenlehrerin/Klassenlehrer der Jahrgangsstufe 1 eingesetzt werden. Durch die personelle Kontinuität können Fördermaßnahmen  weitergeführt und ein möglichst angstfreier Übergang der Kinder, die nach der Vorklasse in der Herderschule bleiben, geschaffen werden.

Kinder mit Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen, mit Teilleistungsschwächen oder mit emotionalen Beeinträchtigungen  brauchen besondere Förderung und ‚Entwicklungshilfe’ in einem stressfreien Raum, damit sie fähig werden, ihr kognitives und emotionales Potential auszuschöpfen. Ziel und Aufgabe der Vorklassen ist es, ihnen die benötigte Hilfestellung zu geben. Hier findet das Kind Zeit und Raum, sich in seiner Gesamtpersönlichkeit weiter zu entwickeln.

Der Unterricht in der Vorklasse orientiert sich an der Lernausgangslage der Kinder und den individuellen Förderplänen (s. Förderkonzept). Die Grundlage bildet der Bildungs- und Erziehungsplan 0 bis 10 mit besonderem Schwerpunkt der sprachlichen Entwicklung. Die Ausbildung der im BEP aufgeführten Kompetenzen bestimmen Unterrichtsinhalte und das methodische Vorgehen. Dabei kommt der Ausbildung der phonetisch-phonologische Bewusstheit als Vorläufer der Lesekompetenz eine besondere Rolle zu. Der entscheidende Sprung von inhaltlichem Verständnis und Lautabfolge muss spielerisch vorbereitet werden.

 

Die Arbeit in der Vorklasse beruht auf einem ganzheitlichen Ansatz, der an die Erlebniswelt des Kindes anknüpft. Die Kinder sollen über Tun und Begreifen und unter Einbeziehung möglichst vieler Sinne lernen. Das Spiel ist dabei wichtiges und altersgemäßes Mittel für die Vorklassenkinder, ihre Umwelt und sich selbst zu erfahren.

Zu den besonderen Angeboten der Vorklasse gehört deshalb:

Aber nicht nur die auf das schulische Lernen bezogenen Förderangebote sind Inhalte des Vorklassenunterrichts. Beziehungsgestaltung, Interaktions- und Kommunikationsprozesse sind in der sozialpädagogischen Arbeit von großer Bedeutung.

Die Kinder sollen lernen, sich in Gefühle und Bedürfnisse anderer hineinzuversetzen, Fähigkeiten anderer wahrzunehmen und zu achten, Konflikte akzeptabel auszutragen sowie ihr eigenes Weltbild und ihre Bedürfnisse mit denen anderer Kinder und der Erwachsenen zu vergleichen. Gerade in einer Umwelt, die den Aktionsradius der Kinder oft erheblich einschränkt, ist die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen - und diese braucht Zeit und Räume und häufig auch Anleitung - immens wichtig

Die Arbeit der Sozialpädagoginnen in den Vorklasse umfasst nicht nur die Förderung der Kinder, sondern  beinhaltet auch eine intensive Zusammenarbeit mit den Familien. Viele der Kinder bringen Herausforderungen mit in die Schule, welche die Möglichkeiten der Schule überschreiten. Hier ist eine systemische Sicht auf Elternhaus, soziales Umfeld und die Förderschwerpunkte des Kindes sowie die Fähigkeit und die Bereitschaft, intensiv mit Eltern, Beratungsstellen oder diagnostischen Einrichtungen interdisziplinär und ressourcenorientiert zusammenzuarbeiten. Die Schulsozialarbeit „KOMM“ unterstützt dabei und übernimmt auf Wunsch der Eltern, die Vermittlung zwischen Schule, Kind, Elternhaus und anderen Institutionen.

In die Vorklasse als präventive Maßnahme werden Kinder aufgenommen, die zwar schulpflichtig aber noch nicht schulreif sind.

Darüber hinaus ist es möglich, sofern Plätze frei sind, Kinder aufzunehmen, die noch nicht schulpflichtig sind.